Exkurs Gestaltungsgrundlagen

Die richtigen Farbwirkungen

Farben kennen
CC0 - Pixabay
Geschrieben von Andreas Simon

Exkurs Gestaltungsgrundlagen (TEIL 2/5)

Nachdem man seine Zielgruppe genau beleuchtet hat und deren Wünsche und Ängste kennt, kann man beginnen die Gestaltung seines eigenen Erscheinungsbildes zu erarbeiten. Zuerst muss man sich Gedanken machen, welche Farben die richtige Wahl sind. Die Entscheidung sollte auf keinen Fall willkürlich gefällt werden, denn jede Farbe macht eine Aussage. Welche das ist soll die folgende Übersicht über die Farbenlehre näher bringen.

Die Symbolik der Farben

Über die Wahl der Farben kann der Gestalter großen Einfluss darauf nehmen wie ein Produkt oder eine Webseite empfunden wird. Zumindest wenn man sich der Farbwirkungen bewusst ist. Sehr oft wird die Farbwahl für eine neue Marke oder ein neues Produkt aber aus dem Bauch heraus getroffen. Viele Unternehmer entscheiden sich z. B. für die Farbe ihres neuen Logos, weil sie diese „schön“ finden. Diese Vorgehensweise ist mir im Alltag als Gestalter schon oft unter gekommen. Damit verspielt man eine gute Möglichkeit die emotionalisierende Wirkung der Farben zu nutzen. Dann muss man den Kunden beraten und ihm erklären, dass die falsche Farbe eine Aussage sehr verfälschen kann.

Falsche Farbbedeutungen

Betrachten wir die Slogans, dann fällt wohl direkt auf, dass hier Optik und Aussage nicht recht zusammen passen möchten. Reinheit in braun? Stärke in rosa? Da erwarten wir einfach andere Farben, weil wir die Bedeutung der Farben im Laufe unseres Lebens erlernt haben. Folgende Tabelle gibt einen allgemeinen Überblick über die Symbolik der Farben und deren Wirkung. Diese Symbolwirkung differiert natürlich in verschiedenen Kulturkreisen.

>> Details zu den Farbwirkungen

Wirkung von Farbkombinationen

Wenn zwei oder mehrere Farben zusammen kommen entsteht oft eine ganz neue Farbwirkung. So kann sich z. B. Rot, das eigentlich für Liebe steht, in Kombination mit Schwarz zu Aggressivität und Hass umkehren. Wenn man also eine zweite oder dritte Farbe wählt, sollte man sich auch deren kombinierter Aussage bewusst sein. Ein kleiner Überblick über die Wirkung gängiger Farbkombinationen ist hier zu finden.

>> Details zum Einsatz von Farbkombinationen

Ein wichtiger Punkt im Zusammenspiel von Farben ist auch deren Kontrast zueinander. Einige Farben bilden einen sehr harmonischen Kontrast. Andere sind in Kombination nur schwer anzusehen. Besonders die sogenannten Komplementärkontraste können sehr unangenehm für das Auge sein. Grüne Schrift auf rotem Grund kann einen regelrechten Flimmer-Effekt verursachen.

Ebenso sollte man sich bei der Verwendung von Farben (insbesondere wenn man diese großflächig anwendet) bewusst sein, dass sich die Farben immer gegenseitig beeinflussten. So kann z. B. ein Grünton deutlich anders wirken, wenn er von einer blauen Fläche umgeben ist. Das exakt gleiche Grün wirkt hingegen heller und leuchtender wenn es in einer roten Farbfläche liegt. Diese subjektive Wahrnehmung nennt man Simultankontrast.

Farbwahrnehmung Grün

So wirkt das gleiche Grün sehr unterschiedlich

Eine Ausführliche Betrachtung der Farbkontraste und weiteres zum Thema Farbenlehre werde ich in einem eigenen Artikel nachschieben, da dies durchaus wichtig ist, ich aber den Rahmen dieses Artikels nicht völlig sprengen möchte.

Falsche Farbwahrnehmung

Die Umgebung beeinflusst die Farbe teilweise stark

Auch wenn also zwei Farben zusammen auf den ersten Blick genau die gewünschte Aussage transportieren, sollte man dennoch genau überlegen ob die Farbkombination wirklich sinnvoll ist. Manchmal ist es dann besser auf eine der beiden Farben zu verzichten. Alternativ kann man auch über die Gewichtung der einzelnen Farben die Gesamtwirkung steuern.

Farben und Emotionen

Limbic-Map mit Farben

So finden sich die Farben ein

Unsere Erfahrung mit Farben beeinflusst unterbewusst deren Wahrnehmung. Wir erinnern uns an diese Erfahrungen, die in uns eine (hoffentlich positive) Emotion auslösen und im besten Fall wiederum zu einem positiven Kaufentscheid führen. Im schlechtesten Fall fühlt sich ein Webseiten-Besucher gar nicht angesprochen und verlässt die Seite sofort wieder. Welche Reaktionen auf Farben folgen ist individuell verschieden und vom Typ abhängig. Die Farbwahl hat einen erheblichen Anteil dabei, ob die richtigen Emotionen ausgelöst werden. Man muss also die richtige Farbe zum Produkt und dessen Zielgruppe auswählen. Im ersten Teil dieses Exkurses habe ich bereits mit den Motiv- und Emotionssystemen und der daraus entwickelten Lymbic® Map einen Weg gezeigt um die Zielgruppe zu definieren. Kennt man nun die Symbolwirkung der Farben, lassen sich diese einfach zuordnen.

Beispiel
Im Fall Geek-Apple habe ich für meine Zielgruppe die Werte Leistung, Effizient, Funktionalität, Status sowie Qualität und Verlässlichkeit definiert. Diese beschreiben die Produkte von Apple recht gut. Die Käufer eines iPhones werden also ebenfalls auf diese Eigenschaften Wert legen. Die Zielgruppe liegt also klar im Bereich Disziplin und Kontrolle. Ein Blick auf die mit Farben versehene Lymbic® Map gibt also für dieses Projekt Blau- und Grautöne sowie reines Weiß aus. Eben diese Kombination habe ich für das Logo und das Weblayout gewählt. Da im Grunde nur eine echte Farbe in verschiedenen Abstufungen und Sättigungen vorkommt gibt es auch keine Probleme mit schlechten Kontrasten. Die Farbwelt war also recht schnell definiert.

Fazit

Das Wissen um die Wirkung und Aussagen der Farben ist im Gestaltungsprozess sehr wichtig. Die Auswahl sollte immer passend zum Zielgruppentyp, der Branche und der gewünschten Außendarstellung erfolgen. Sicherlich kann man auch versuchen aus dem gewohnten Schema auszubrechen um aufzufallen. Hierbei ist aber in jedem Fall viel Fingerspitzengefühl gefragt. Als Leitlinie bei der Farbwahl gilt:

  • nur zwei (maximal drei) verschiedene Farben und deren Abstufungen.
  • die Farben müssen gut harmonisieren
  • in großen Flächen nur dezente Farben
  • möglichst viele angenehme Kontraste verwenden
  • die Farben müssen die gewünschte Aussage transportieren und auf die Zielgruppe passen

Zum Abschluss empfehle ich noch ein gutes Tool, mit dem sich sehr harmonische Farbkombinationen schnell ermitteln lassen. Auf paletton.com kann man sich mit wenigen Klicks ein ganzes Farbschema ausgeben lassen. Mit dem Artviper Colorfinder kann man zudem die Farben von bestehenden Webseiten ermitteln lassen.

Und so geht es weiter

Im nächsten Teil der Serie werde ich ein wenig auf die richtigen Schriften für ein Webprojekt eingehen und über deren Eigenschaften sprechen.

Empfehlung:
Eine ganze Reihe interessanter Informationen zum Thema Farben in Webseiten bietet das Buch:[amazonjs asin=“3540439242″ locale=“DE“ tmpl=“Small“ title=“Farben im Webdesign: Symbolik, Farbpsychologie, Gestaltung (X.media.press)“]