Exkurs Gestaltungsgrundlagen

Die richtigen Schriften wählen

Die richtige Schrift auswählen
CC0 - Pixabay
Geschrieben von Andreas Simon

Exkurs Gestaltungsgrundlagen (TEIL 3/5)

Gestaltung ist mehr als nur Farben und Formen. Ein wichtiges Gestaltungselement ist die Schrift. Verschiedene Schriftfamilien können zu ganz unterschiedlichen Gesamteindrücken führen. Nach der Wahl der richtigen Farben geht es daher jetzt um die Wahl der optimalen Schrift für die Zielgruppe.

Die Zeit vor Webfonts

Früher haben sich Webdesigner nicht so viele Gedanken um die Schriften gemacht. Mussten sie auch nicht, denn sie hatten ohnehin nur wenig Einfluss darauf. Man war auf die Schriften angewiesen, die auf dem Rechner des Nutzers installiert waren. Da man also nie davon ausgehen konnte dass die gewünschte Schrift vorhanden war hieß der Kompromiss meist Arial oder Times. Bei den beschränkten Bandbreiten hat man auch keinen Gedanken daran verschwendet eine Schrift auf dem Server zu installieren und zu laden. Seit sich das Bandbreitenproblem mehr oder weniger aufgelöst hat ist Typografie im Internet auch ein Thema. Das Einbinden von Webfonts in die Seiten wird immer mehr zum Standard. Erst recht seit Google eine ganze Reihe dieser Schriften kostenlos zur Verfügung stellt.

Die Aussage mit Schrift transportieren

Was im Printbereich selbstverständlich ist, ist jetzt also auch für den Webgestalter ein Thema. Welche Schriften passen am besten zu meinem Zielpublikum? Dabei sollte man sich der Eigenschaften einiger grundsätzlichen Schrifttypen bewusst sein. So zum Beispiel:

Serife Schriften mit Serifen sind elegant, edel und klassisch. z.B. Book Antiqua, Times New Roman
Serifenlos Schriften ohne Serifen wirken ruhig, sachlich und modern. Sie sollten in nüchternen und technischen Bereichen angewendet werden. z. B. Arial, Verdana
Handschrift Handschriften erzeugen durch ihre Schwünge immer Dynamik. Sie haben automatisch auch immer eine persönliche Note.
Dekorativ Dekorative Schriften sind immer ausgefallen und extravagant. Sie signalisieren Individualität und sind als Hingucker gedacht. Im Fließtext sollte man sie besser nicht einsetzen weil sie schlecht lesbar sind.
Gebrochen Gebrochene Schriften (oder Frakturschriften) sind sehr konservativ und altmodisch, können aber durchaus elegant sein.

Über den Schriftschnitt kann man zusätzlich dem Text Bedeutung verleihen. Wählt man eine fette Schrift, vermittelt sie Gewicht, Masse und Statik. Ein sehr dünner Schnitt dagegen wirkt leicht, instabil und zerbrechlich. Stellt man die Schrift kursiv kommt automatisch eine gewisse Dynamik ins Spiel.

Wie schon bei den Farben verhält es sich also auch bei Schriften so, dass ihr Aussehen direkt eine bestimmte Aussage vermitteln bzw. unterstützen kann. Die Falsche Wahl kann dabei umgekehrt die inhaltliche Aussage völlig verfälschen.

Schrift und Inhalt

Schrift kann den Inhalt sowohl gut als auch schlecht transportieren.

Mit Schrift gestalten

Neben der Wahl des richtigen Schrifttyps passend zur Zielgruppe sollte man auch darauf achten die Schriften richtig einzusetzen. Folgende Liste soll ein paar Tipps geben was man auf jeden Fall tun oder nicht tun sollte.

  • Weniger ist mehr. Verwende nicht mehr als zwei verschiedene Schriften. Nimm nur eine dritte Schrift wenn es unbedingt sein muss.
  • Kombiniere eine Serifenschrift mit einer serifenlosen Schrift.
  • Kombiniere nie zwei Schriften die sich ähnlich sehen.
  • Kontrast ist wichtig. Kombiniere Schriften mit unterschiedlicher Schriftstärke.
  • Mische nicht zwei völlig widersprüchliche Stilrichtungen. z. B. zwei dekorative Schriften
  • Verwende verschiedene Schnitte der selben Schrift.

Schriftkombinationen

Ein angenehmes Leseerlebnis schaffen

Besonderes Augenmerk sollte auch auf die Lesbarkeit gelegt werden. Einige Schriften erschweren dies durch ihre Gestaltung und eignen sich maximal für Überschriften. Allgemein sagt man, dass sich Schriften mit Serifen besser für lange Fließtexte eignen weil diese den Lesefluss leiten und unterstützen. Auf Grund der Pixeldarstellung haben sich im Web aber dennoch eher die möglichst einfachen Schriften durchgesetzt. Außerdem wirken Serifen immer eher klassisch und eignen sich daher nicht für jede Zielgruppe.

Man sollte in jedem Fall auf eine ausreichende Schriftgröße und einen guten Kontrast zum Hintergrund achten. Dabei ist viel Kontrast nicht gleichbedeutend mit guter Lesbarkeit. Schwarze Schrift auf weißem Hintergrund ist mit der Zeit anstrengend zu lesen weil Weiß auf Monitoren die Schrift überstrahlt. Ein weiterer Aspekt ist der Zeilenabstand. Hier sollte man ein ausgewogenes Verhältnis wählen. Zu enge Zeilen erschlagen den Leser und wirken schon auf den ersten Blick unangenehm. Zu große Zeilenabstände wirken zwar modern, erschweren aber das Springen zur nächsten Zeile. Je angenehmer das Lesen ist, desto eher werden die Texte auch gelesen und die Besucher kommen gerne auf die Seite zurück.

Hilfreich ist es dabei auch den Text zu gestalten. Sinnvolles Strukturieren in kurzen Absätzen und der Einsatz von Zwischenüberschriften machen es dem Leser leichter den Text zu erfassen und den Inhalt zu verstehen. Außerdem sollten die Zeilen nicht zu lang sein. Auch im Netz kann man mittlerweile mit CSS3 oder aber den gängigen CMS Systemen und entsprechenden Plug-Ins oder Frameworks mehrspaltige Seiten abhängig von der Seitenbreite anlegen.

Fazit

Schrift ist also ein wesentlicher Faktor in der Gestaltung bei dem man auch viele Fehler machen kann. Übermäßiger unreflektierter Einsatz von Schriften kann ein sonst gutes Layout deutlich verschlechtern. Auch hier gilt es sich im Vorfeld Gedanken zu machen und die Eigenschaften der Zielgruppe mit denen der Schrift abzugleichen.

Im nächsten Teil dieser Artikelreihe geht es um die Formensprache. Welcher Look passt am besten zum erwarteten Zielpublikum? Wie fällt am Ende der Gesamteindruck aus? Antworten gibt es wieder in knapp einer Woche.