SEO-Wissen

Pagespeed Teil 1 – Analyse-Tools im Vergleich

Pagespeed Test Teil 1
CC0 - Pixabay
Geschrieben von Andreas Simon

Immer häufiger wird die Performance einer Seite als wichtiger Faktor für das Google-Ranking von SEO-Experten genannt. Ganz überzeugt bin ich von dieser Theorie nicht und werde daher versuchen selbst einige Erfahrungen zu sammeln, welchen Einfluss die Ladezeiten auf die Platzierung in der Suchmaschine haben. Da meine Projekte aktuell ein sehr gleichmäßiges Wachstum verzeichnen ist es ein guter Zeitpunkt die Seiten unter dem Gesichtspunkt der Geschwindigkeit zu optimieren und zu sehen welchen Effekt es hat.

Um die Performance zu verbessern muss man natürlich zunächst den aktuellen Stand herausfinden. Dies habe ich zum Anlass genommen einige Speedtest-Seiten unter die Lupe zu nehmen. Die Kandidaten waren Pagespeed, WebPagetest, GTmetrix, Pingdom, Dotcom Monitor, serachmetrics Website Speed Check und Google PageSpeed Insights. Um einen aussagekräftigen Überblick zu bekommen was die einzelnen Tool können, habe ich mit allen sieben Speedtests zehn Seiten auf ihre Geschwindigkeit checken lassen. So sind eine ganze Menge Daten zusammen gekommen. Um das Ganze im Rahmen zu halten vergleiche ich hier nur meine Projektseiten. Zunächst aber ein paar Worte zu jeder der Speedtest-Seiten.

Pagespeed

Pagespeed Performance TestDas Tool Pagespeed ist sehr einfach gehalten und übersichtlich gestaltet. Man gibt einfach die gewünschte URL ein und bekommt sehr schnell sein Ergebnis. Weitere Einstellungsmöglichkeiten zum Test gibt es nicht. Der Server, welcher die Speedtestes durchführt, steht in Deutschland und hat eine 120 GigaBit-Anbindung.

Abgefragt werden die gesamte Ladezeit, die Zeit für den ersten Kontakt, die Latenz (also die Zeit zwischen dem ersten Kontakt und dem Beginn des Ladevorgangs), der Ping und die Datenmenge. Diese wird noch in Bilder, Script-Files und HTML-Code aufgeschlüsselt. Am Ende bekommt man neben den genannten Werten auch noch einen zusammenfassenden Performance-Score sowie eine kurze Analyse der Werte. Man erhält zwar nicht gerade eine Flut von Daten, aber eigentlich ist es alles was man wissen will. Und die Ergebnisse sind sehr übersichtlich aufbereitet. Wie ich finde ein sehr brauchbares Werkzeug.

WebPagetest

Web PagetestAuf den ersten Blick wirkt die Seite für mich etwas unseriös weil mehr Werbung drauf ist als alles andere. Aber hinter der überfrachteten Seite verbirgt sich ein brauchbares Speedtest-Tool. Im Gegensatz zu Pagespeed, bei dem man lediglich die URL eingeben kann, gibt es hier die Auswahl aus einer ganzen Reihe von weltweiten Standorten und Browsern mit denen getestet werden soll.

Die Auswertung ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Zunächst das erste Laden der Seite und dann das erneute Laden der gleichen Seite. Damit lässt sich gut auf die Qualität des Caching schließen.
Die Ergebnisse sind recht umfangreich und werden auf verschiedene Weisen dargestellt. Es gibt ein Rating nach amerikanischen Schulnoten (A bis F) für verschiedene Bereiche, was die Leistung der Testseite auf den ersten Blick veranschaulicht. Aber es gibt noch deutlich mehr Informationen. So zum Beispiel eine tabellarische Auflistung der verschiedenen Ladezeiten, sogenannte Waterfall-Diagramme die den Verlauf des Ladevorgangs visualisieren und sogar ein Video vom Ladeprozess. Alle Daten lassen sich auch in verschiedenen Formaten exportieren.

Auch wenn die Seite optisch nicht viel verspricht leistet sie sehr gute Arbeit.

GTmetrix

GTmetrix Performance AnalyzeAuch GTmetrix ist von der Eingabe einfach gehalten. Das Tool arbeitet aber sehr schnell und gibt aufschlussreiche Ergebnisse zurück. Hier gibt es zwei verschiedene zusammenfassende Wertungen. Den Page Speed Grade und YSlow Grade. Beide scheinen sehr streng zu sein, denn keine der getesteten Seiten konnte hier besonders gute Werte erreichen obwohl oft alle abgefragten Werte im grünen Bereich waren.

Die recht fein aufgeschlüsselten Ergebnisse werden auch jeweils mit einer Wertung von A bis F versehen und entsprechend farblich gekennzeichnet. Neben der reinen Performance-Werte gibt es auch hier ein Waterfall-Diagramm und eine Abfrage-History.

Auch wenn es etwas frustrierend ist kaum über eine Gesamtnote C hinaus zu kommen ist es ein sehr empfehlenswertes Tool.

Pingdom

pingdom website speed testDie optisch auffälligste und ansprechendste Seite ist Pingdom. Bei der Eingabe lassen sich hier zwischen drei Standorten wählen. Zwei davon sind in den USA und einer in den Niederlanden. Wie sich herausstellte hat die Wahl hier deutliche Auswirkungen auf das Ergebnis. Aber dazu später mehr im Fazit.

Bei den Ergebnissen bietet auch Pingdom verschiedene Darstellungsarten. Sehr übersichtlich ist die Schnellübersicht, die einen Performance-Score, die Anzahl der Abfragen, die Ladezeit und die Datenmenge enthält. Zudem gibt es einen prozentualen Vergleich zu allen bisher getesteten Seiten. Aber es gibt auch hier deutlich umfangreichere Auswertungen. Wie schon bei anderen Tools bietet auch Pingdom zum Beispiel eine Waterfall-Darstellung und eine History.

Pingdom arbeitet sehr schnell und bringt viele brauchbare Ergebnisse. Für mich war es einer der besten Speedtests.

Dotcom Monitor

dotcom monitor web page speed testDas Tool Dotcom Monitor hat eine Besonderheit im Vergleich zu den anderen getesteten Seiten. Es führt gleich 22 Tests von verschiedenen Standorten aus und bildet einen durchschnittlichen Wert für die Zugriffszeiten. Auch die einzelnen Werte kann man natürlich einsehen. Und dabei kommen teils gravierende Unterschiede zum Vorschein. Hier bekommt man einen guten Eindruck welchen Einfluss der jeweilige Standort auf die Dauer der Abfrage hat.

Insgesamt dauert die Auswertung einer Seite aber recht lange und die Werte sind auch nicht ganz so umfangreich und gut aufbereitet wie bei einigen der anderen Speedtests.

serachmetrics Website Speed Check

search metrics webpage speed testDer Speed Check von searchmetrics war zum Zeitpunkt meiner Abfrage eigentlich nicht zu gebrauchen. Die Abfragen dauerten ewig und oft brach der Vorgang ganz ab. Daher habe ich es nach einigen Versuchen aufgegeben und dieses Tool nicht weiter verwendet.

Google PageSpeed Insights

google developers pagespeed insightsUnd zu guter Letzt bietet auch Google eine Seite an, auf der man die Performance seiner Webseiten überprüfen kann. Die Ergebnisse sind zwar hier nicht sehr umfangreich, aber da sie von Google selbst kommen sollte man ihnen wohl viel Gewicht beimessen. Im Prinzip erhält man nur einen Score von 0 bis 100 (einen für Mobil und einen für Desktop) sowie Tipps zur Verbesserung der getesteten Seiten.

Ergebnis für meine Projektseiten

Insgesamt muss man sagen, dass die Ergebnisse der verschiedenen Speedtest-Anbieter nicht immer eindeutig waren. Teilweise widersprachen sie sich sogar gravierend. Aber wenn man alle Daten betrachtet kann man durch die unterschiedlichen Test durchaus einen Trend ablesen.

Affiliate Tagebuch

Mein Hauptblog Affiliate Tagebuch war durchweg die beste der getesteten Seiten. Bei vier von sechs Anbietern schnitt sie als die Schnellste ab. Allerdings bekam sie gerade bei Google nicht den besten Wert. Grundsätzlich wird das gute Ergebnis daran liegen, dass das Template auf große Grafiken verzichtet und die übertragene Datenmenge immer relativ gering war. Außerdem habe ich bei dieser Seite das Plugin WP Super Cache installiert, welches die Zugriffszeiten reduzieren soll. Als einzige Seite im Test hat Affiliate Tagebuch zwei Mal ein „B“ bei GTmetrix erhalten. Das scheint etwas zu heißen.

Affiliate Tagebuch Dotcom Monitor

Affiliate Tagebuch Google

Affiliate Tagebuch GTmetrix

Affiliate Tagebuch Pagespeed

Affiliate Tagebuch Pingdom

Affiliate Tagebuch Web Pagetest

Duelworld

Durchweg am schlechtesten hat dagegen Duelworld abgeschnitten. Das hatte ich auch so erwartet, da alleine schon das Template recht aufwändig und mit vielen Hintergrundgrafiken gestaltet ist. Nicht unbedingt so wie es sein sollte, aber als es angelegt wurde sollte es hauptsächlich gut aussehen und einen gewissen Flair verbreiten. Darüber hinaus enthalten auch alle Artikel recht große Bilder und es läuft kein Plugin zum Caching der Webseite. Nach der späteren Auswertung fiel dann aber auf, dass die Seite gar nicht die größte Datenmengen liefert. Dennoch waren die Werte eher bescheiden. Mit einer Ausnahme. Bei Pingdom schnitt Duelworld überraschend als beste Seite ab. Zumindest was den Performance Score angeht. Da stellt sich dann schon die Frage wie aussagekräftig dieser ist. Hier besteht also auf jeden Fall Optimierungsbedarf.

duelworld Dotcom Monitor

duelworld google

duelworld GTmetrix

duelworld Pagespeed

duelworld pingdom

duelworld Web Pagetest

Fernbus Reisen

Meine Fernbus-Page lang im Schnitt auf Rang zwei. Allerdings gab es bei Google einen extremen Ausreißer nach unten. Hier bekam die Seite nur 71 von 100 Punkten. Der mit Abstand schlechteste Wert. Auch da fragt man sich wie Google wertet, wenn alle anderen Tests eigentlich ganz akzeptable Werte liefern. Auf Fernbus Reisen läuft das Plugin W3 Total Cache. Vielleicht versuche ich hier für eine Weile auch mal auf Super Cache umzusteigen um einen Vergleichswert zu erhalten.

fernbus Dotcom Monitor

fernbus google

fernbus GTmetrix

fernbus Pagespeed

fernbus pingdom

fernbus Web Pagetest

Webdesign Tagebuch

Mein zuletzt gestartetes Projekt Webdesign Tagebuch lag fast durchweg auf Platz drei. Besonders bei GTmetrix fiel die Page völlig durch. Google wiederum gefiel die Seite dagegen am besten. Es gab 84 von 100 Punkten. Auch hier hatte ich bisher kein Plugin für das Site-Caching installiert. Und der ein oder andere Test hat offenbart, dass manche Dateien nicht gefunden werden oder erstaunlich groß ausfallen. Beides führt natürlich zu unnötig langen Ladezeiten. Hier dürfte man mit vergleichsweise wenigen Handgriffen eine spürbare Verbesserung erzielen können.

Webdesign Tagebuch Dotcom Monitor

Webdesign Tagebuch google

Webdesign Tagebuch GTmetrix

Webdesign Tagebuch Pagespeed

Webdesign Tagebuch pingdom

Webdesign Tagebuch Web Pagetest

Fazit

Abschließend würde ich in jedem Fall sagen, dass es ein interessanter Test war. Durch viele detaillierte Werte kann man wirklich gut kleine Schwachstellen der eigenen Seiten aufdecken die sich recht einfach verbessern lassen. Außerdem geben einige Tools recht hilfreiche Verbesserungsvorschläge.

Was ich überaus interessant fand, waren die teils riesigen Unterschiede ob die Abfragen aus den USA (bzw. Asien) oder aus Europa kamen. Es waren teilweise Abweichungen um den Faktor 10 dabei. Da sich meine Zielgruppe ganz klar auf den deutschsprachigen Raum geschränkt ist das eigentlich ein gutes Zeichen. Allerdings muss man sich fragen was das für Google heißt. Immerhin ist es ein amerikanisches Unternehmen. Natürlich hat Google Rechenzentren über die ganze Welt verteilt, aber welche Werte zählen? Werden bei der Einstufung der Seiten durchschnittliche Werte genommen? Oder ist es ein Glücksspiel welcher Server gerade die Seite besucht. Gerade bei Google ist natürlich viel Spekulation dabei, doch irgendwie würde es die teils gravierend abweichenden Werte erklären.

Es lässt sich festhalten, das natürlich die eingebundenen Bilder den meisten Traffic verursachen. Hier muss man wohl abwägen was wichtiger ist. Bilder machen die Seite attraktiver für echte Nutzer und verleiten zum Verweilen und Zurückkehren. Andererseits leidet die Leistung nicht unerheblich. Wenn Google wirklich so viel Wert auf Geschwindigkeit legt, dann muss man vielleicht dazu tendieren die Bilder nicht mehr so großflächig einzusetzen wie es moderne und stylische Templates tun.

Die meist genannten Verbesserungsvorschläge sind neben den Bildern die Reduzierung der Scripte und CSS Dateien. Viele Serveranfragen kosten auch viel Zeit. Allerdings lässt sich das manchmal ja nur bedingt beeinflussen. Oft werden die eingebundenen Dateien ja von WordPress oder dem Template bestimmt. Als Programmierer kann man da eingreifen, doch der „normale“ Nutzer muss die große Zahl verknüpfter Dateien hinnehmen. Wenn man weiß, dass weniger Dateien mehr ist, kann man diesen Aspekt bei der Templatewahl natürlich mit einbeziehen. Möglichst einfache Templates sind also die beste Wahl. Besonders bei Nischenseiten würde ich dazu raten, da es hier ja nicht so sehr auf die Optik ankommt. Wer einen Blog startet hängt für gewöhnlich etwas mehr an der Seite. Da ist es verständlich, dass man auch auf die Optik und die ein oder andere „Spielerei“ Wert legt. Hier heißt es trotzdem, dass man lieber auf das ein oder andere Plugin oder Widget verzichtet.

Eine Optimierung lohnt sich natürlich nicht nur für das Suchmaschinenranking. Auch für mobile Geräte, bei denen man nach wie vor mit geringen Datenvolumen kämpfen muss bevor man massiv ausgebremst wird, sind große Datenmengen und damit verbundene lange Ladezeiten nicht gut. Zudem haben auch viele ländliche Gebiete in Deutschland noch immer keine schnellen Internetleitungen.

Stetig seine Seiten zu überprüfen und nachzubessern ist also in jedem Fall eine gute Maßnahme. Ich werde in den nächsten Wochen ein wenig an den Seiten arbeiten und bei Zeiten berichten wie sie sich entwickelt haben. Ich bin gespannt wieviel Wert Google tatsächlich auf die Performance der Seite legt und wie sich meine Rankings entwickeln.

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